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Nationalpark Kalkalpen – Tummelplatz für Fledermäuse

17 Fledermausarten im Nationalpark Kalkalpen nachgewiesen

 
Europaweit gelten Fledermäuse als äußerst gefährdet. Auch in Österreich sind die Bestandseinbrüche bei einzelnen Arten dramatisch. Fledermäuse gibt es seit über 60 Millionen Jahren in der Form wie sie heute vorkommen. Sie führen ein sehr heimliches Leben, was deren Erforschung nicht leicht macht. Auch im Nationalpark Kalkalpen sind Fledermäuse allgegenwärtig und jagen nachts im Wald und über Gewässern nach Insekten.
 
Die Nationalpark Kalkalpen Verwaltung hat die Koordinationsstelle für Fledermausschutz und Fledermausforschung in Österreich (KFFÖ) mit einer dreijährigen Erhebung der Fledermausfauna im Nationalpark Kalkalpen beauftragt. „Das Ergebnis der Erhebung ist erfreulich. Insgesamt konnten 17 Fledermausarten im Nationalpark Kalkalpen nachgewiesen werden. Dies entspricht 65% aller aktuell in Österreich bekannten Fledermausarten. Darunter sind auch eine Reihe gefährdete Arten wie: Wimperfledermaus, Kleine Hufeisennase, Bechsteinfledermaus, Brandtfledermaus, Fransenfledermaus, Mopsfledermaus und Breiflügelfledermaus“, teilt Nationalpark Direktor Dr. Erich Mayrhofer mit. Im Vergleich zu anderen Untersuchungen im Gebirge ist dies eine sehr große Anzahl. Die vergleichsweise hohe Artenzahl im Nationalpark Kalkalpen wird durch mehrere Umstände maßgeblich beeinflusst: die große Fläche, das Vorkommen überregional bedeutender Quartiere (Winter- und Schwärmquartiere) und den hohen Anteil an Waldlebensräumen.
 
Mittels Fang mit Netzen, Ultraschallaufnahmen mit Zeitdehnungsdetektoren, Gebäudekontrollen und Höhlenbefahrungen konnten insgesamt 17 Fledermausarten nachgewiesen werden. Der Nationalpark bietet allen Arten durch seine ursprünglichen Wälder, die Waldwiesen und Almflächen und das Vorkommen von vielen Gewässern potenzielle Jagdhabitate. Der Nationalpark Kalkalpen scheint das gesamte Jahr über eine wichtige Rolle für Fledermäuse zu spielen, konnten doch zu jeder Jahreszeit viele Arten nachgewiesen werden. „Ein Grund dafür könnte die relativ hohe Dichte an Höhlen, also den potenziellen Balz-, Paarungs-, Schwärm- und Winterquartieren, im Nationalpark sein“, vermutet Mag. Simone Pysarczuk von der KFFÖ.
 
„Von überregionaler Bedeutung sind drei entdeckte Schwärmquartiere im Hinblick auf ihre Individuen- als auch die Artenzahlen. So suchen mehrere tausend Zwergfledermäuse jedes Jahr von Ende Juni bis Anfang Oktober eine besondere Höhle im Hintergebirge zum Schwärmen auf. „Die Anzahl an fliegenden Fledermäusen erinnert dort schon fast an tropische Höhlen“, freut sich der Nationalpark Biologe Dr. Erich Weigand über den Fund dieses Schwärmquartiers. Schwärmquartiere können für einige Arten ein Einzugsgebiet von über 100 km haben und sind daher besonders schützenswert“, berichtet die Fledermausforscherin weiter.
 
Fledermausweibchen finden sich zu so genannten „Wochenstuben“ zusammen, in denen die Jungtiere geboren und gemeinsam aufgezogen werden. Erfreulich war der Fund einer derartigen Wochenstube von Kleinen Hufeisennasen im Forsthaus Bodinggraben. Diese Wochenstube war allerdings gefährdet, da das Forsthaus Bodinggraben saniert werden musste. Seitens des Fledermausschutzes wurden Hinweise weitergegeben, wie die Einflugöffnungen aussehen müssen, um eine Wiederbesiedlung des Quartiers nach den Umbauarbeiten zu gewährleisten. Da die Tiere vor dem Umbau das gesamte Gebäude bereits benützten, bleibt zu hoffen, dass sie sich an die neue Situation – nur noch den Dachboden benützen zu dürfen – gewöhnen können. Die ersten dahingehenden Resultate sind erfreulicherweise recht viel versprechend.
 
Fledermäuse brauchen auch außerhalb des Nationalpark Kalkalpen Schutz.
 
Der Schutz der Fledermäuse ist im Nationalpark Kalkalpen erfreulicherweise garantiert, weil diese Flugtiere aber sehr mobil sind, ist eine Nationalpark Grenze für solche Tierarten irrelevant. Vielmehr sind gerade für den Erhaltungszustand der im Nationalpark Kalkalpen festgestellten Fledermausarten auch Entwicklungen außerhalb des Nationalparks bedeutend, da hierbei zahlreiche Beziehungen festzuhalten sind. So stellen die Höhlen im Nationalpark bedeutende Winterquartiere für Fledermausarten dar, welche ihre Wochenstubenquartiere jedoch vorwiegend im Umfeld des Nationalparks haben. Dies ist für die Kleine Hufeisennase, oder auch das Mausohr im Nationalpark Kalkalpen sehr gut nachvollziehbar. Auch die Schwärmquartiere im Nationalpark Kalkalpen sind dadurch gekennzeichnet, dass wohl der Großteil der Tiere von außerhalb des Nationalparks jährlich zu diesen Quartieren in den Nationalpark wandert. Die Bedeutung dieser Quartiere reicht deshalb, ebenso wie jene der Winterquatiere, über den Nationalpark hinaus. Ein nachhaltiger Schutz gefährdeter Arten braucht daher auch das Mitwirken der Menschen in der Nationalpark Region. So kann beispielsweise durch das Abreißen eines alten, fast verfallenen Heustadels in den Sommermonaten, eine ganze Wochenstube, mit vielen weiblichen und jungen Flattertieren, ausgelöscht werden.
 
Nähere Informationen zum Fledermausschutz: Koordinationsstelle für Fledermausschutz und -forschung in Österreich. Dr. Guido Reiter Tel.: +43 (0)676 7530634 Fax: +43 (0)7274 20390 www.fledermausschutz.at
 
Link:
www.kalkalpen.at
 

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08.03.2010,